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Wegbegleiter und Schüler

Mme de Salzmann

Jeanne de Salzmann

Jeanne de Salzmann studierte Klavier, Komposition und Orchesterleitung am Konservatorium in Genf. 1919 wurde sie durch den Komponisten Thomas de Hartmann mit G.I. Gurdjieff bekannt.

In den folgenden Jahren wurde sie eine enge und treue Schülerin Gurdjieffs und blieb bis zu seinem Tod 1949 an seiner Seite.

In den frühen 1950er-Jahren rief sie gemeinsam mit anderen direkten Schülern die Gurdjieff Foundation ins Leben, die heute als größte Organisation gilt, die in direkter Linie auf Gurdjieff zurückgeht. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1990 widmete sie sich über vier Jahrzehnte der Weitergabe seiner Lehre und der Bewahrung ihres inneren Gehalts.

Mme de Salzmann über die Gurdjieff Arbeit:

„…Die Ideen sind eine Aufforderung, eine Aufforderung hin zu einer anderen Welt, ein Ruf von einem, der weiß und die Fähigkeit hat, uns den Weg zu zeigen. Doch die Umwandlung des menschlichen Seins erfordert etwas mehr. Sie kann sich nur vollziehen, wenn eine wirkliche Begegnung stattfindet zwischen den bewussten Kräften, die auf uns herabkommen, und einer völligen entsprechenden Hingabe. Dies ergibt eine Verschmelzung. Ein neues Leben kann dann auftauchen, in einer neuen Zusammensetzung von Bedingungen, das nur jemand mit einem objektiven Bewusstsein erschaffen und entwickeln kann.
Aber um das zu verstehen, muss man alle Stufen dieser Entwicklung gegangen sein.
Ohne eine solche Erfahrung und das entsprechende Verständnis wird die Arbeit ihre Wirksamkeit verlieren und die Gegebenheiten werden falsch interpretiert. Sie werden im entsprechenden Moment nicht dargebracht und man wird erleben, dass Ereignisse und Anstrengungen auf dem üblichen Niveau des Lebens stecken bleiben und sich sinnlos wiederholen…“

aus: Views from the Real World. Early talks of G. I. Gurdjieffs

Michel de Salzmann

Michel de Salzmann wurde am 31. Dezember 1923 in Paris geboren und starb dort am 4. August 2001.
Seine Mutter, Jeanne de Salzmann, war zeit ihres Lebens Schülerin von Georges Ivanovitch Gurdjieff und half in den 1930er und 1940er Jahren mit, seine Gruppen zu leiten. Nach G.I. Gurdjieffs Tod im Jahr 1949 leitete sie die Gurdjieff Foundation und führte 40 Jahre lang seine Arbeit weltweit fort, bis sie 1990 im Alter von 101 Jahren starb.
Michel de Salzmann arbeitete sehr erfolgreich als Psychiater. Ab 1990 war er einer der führenden Köpfe der Gurdjieff Foundation in Frankreich.
Er besuchte Gurdjieff-Zentren in der ganzen Welt und leitete viele Gurdjieff-Retreats; auch einige spezielle Gruppen, z.B. Musikgruppen, führte er mit überraschender Ungezwungenheit, arbeitete in direkter Form mit den älteren Teilnehmern, schenkte aber auch den jüngeren Schülern besondere Aufmerksamkeit. Einer seiner Schüler war David Hykes, der Musik für den Film „Begegnungen mit bemerkenswerten Menschen“ schrieb.

Für die The Encyclopedia of Religion (1987) schrieb Michel de Salzmann einen Artikel über G.I. Gurdjieff und einen einführenden Essay zu J. Walter Driscolls Gurdjieff: an annotated bibliography (1985). 1976 wirkte er bei einem Dokumentarfilm über Georges Ivanovitch Gurdjieff mit.

Als Lehrer und Mentor stellte er eine stetige Herausforderung für die mechanischen Gewohnheiten seiner Schüler dar, gleichzeitig vermittelte er ihnen Hoffnung, Tatkraft und Disziplin, wo immer sie gebraucht wurden.

Michel de Salzmann war eine der letzten lebenden Verbindungen zu G.I. Gurdjieff selbst. Er lieferte die Hilfe, die benötigt wird, um das Intervall mi-fa zu sol zu überwinden, worin der Widerstand gegen eine Veränderung in uns selbst enthalten ist. Nun muss dieses Ergebnis im Einklang mit Gurdjieffs Vision wachsen und reifen oder es ist dem Gesetzt der Trägheit unterworfen, was Niedergang bedeutet.

„Wenn die Aufmerksamkeit mich mit dieser anderen Energie durchflutet – sehr konzentriert, und doch sehr leicht, frei, ohne Wunsch, ohne Bedürfnis -, wird alles auf natürliche Weise in die richtige Ordnung gebracht. Alles nimmt auf natürliche Weise seinen Platz ein.“ – Michel de Salzmann

Henri Tracol

Henri Tracol wurde 1909 in Paris geboren. Nach dem Besuch des Lycée Henri IV arbeitet er vier Jahre als Journalist und Filmkritiker für die Zeitschrift „Vu“.
Als Großneffe bzw. Urenkel zweier großer Geographen und Forscher, Elisée Reclus und Elie Faure, und als Anhänger der republikanischen Idee geht er nach Spanien, um dort den Bürgerkrieg bis 1937 für die Agentur Havas zu photographieren. 1945 wird er von der Zeitschrift „Magnum“ beauftragt, als Photograph die Befreiung Paris’ zu dokumentieren. Später verfasst er zahlreiche photographische und ethnographische Berichte, insbesondere für das Musée de l’Homme en Amérique du Sud (Völkerkundliches Museum).
1938 lernt er Madame de Salzmann kennen, die ihn für die Begegnung mit Georges Ivanovitch Gurdjieff im Jahre 1941 vorbereitet. Zusammen mit einer Gruppe französischer Schüler, darunter René Daumal und Luc Dietrich, bleibt er bei G.I. Gurdjieff bis zu dessen Tod im Jahr 1949.
An der Seite von Madame de Salzmann wurde er bald einer der Verantwortlichen für die französischen Gruppen der Gurdjieff Foundation und wirkte zudem an den internationalen Aufgaben des Gurdjieff Instituts mit. Außerdem arbeitet er mit ihr zusammen an der Übersetzung der Werke G.I Gurdjieffs.

1964 gründet er ein Studien- und Begegnungszentrum, das ihm erlaubt, seine Sicht von G.I. Gurdjieffs Erbe zu vertiefen. Dabei ist er Madame de Salzmann loyal in großem Respekt verbunden und steht auch in engem Austausch mit anderen Studienzentren in Frankreich, Europa und der ganzen Welt, die zur gleichen Zeit gegründet worden waren.

Durch seinen einzigartigen und scharfsichtigen Zugang zu Gurdjieffs Lehre, hat Henri Tracol zahllose Schüler geformt und beeinflusst. Er stellte einen Bezug zu den wichtigen Geistesströmungen und zur traditionellen Philosophie her, u.a. dadurch, dass er, mit Unterstützung der UNESCO, den großen afrikanischen Philosophen, Traditionalisten, Schriftsteller und Ethnologen Amadou Hampaté Bâ traf.

Mit einer ganz außergewöhnlichen Aufmerksamkeit unterstützte er – neben seinen Verpflichtungen in Paris und im Ausland – das Leben des von ihm gegründeten Zentrums. Dort war sein unmittelbarer Einfluss, beruhend auf einer experimentellen Annäherung, die der Selbsterkenntnis gewidmet war, viele Jahre, bis zu seinem Tod im Jahre 1997, prägend.

Henri Tracol ist der Autor des Buches „Warum schläfst du, Herr?“, das in der erweiterten Neuausgabe in „Die wahre Frage bleibt“ umbenannt wurde.

Michel Peterfalvi

Michel Peterfalvi wurde am 17. Februar 1918 in Ungarn geboren.

Er verbringt seine Kindheit in Budapest. Da Juden in Ungarn das Hochschulstudium verwehrt ist, geht er mit 19 Jahren nach Frankreich, um dort Medizin zu studieren.

Vor Ende seines Studiums wird er 1944 denunziert, festgenommen und nach Auschwitz gebracht. Nur mit größter Zurückhaltung erwähnte er manchmal seine Zeit in den Konzentrationslagern. Als das Lager befreit wird und die Nazis Hals über Kopf flüchten, fährt er tagelang in einem Zug ohne Zielort, schwer krank und umgeben von sterbenden Deportierten.

In diesem Zug fühlt er plötzlich neues Leben und macht die geheimnisvolle Erfahrung von wahrer Stille, die er in der Folgezeit versuchen wird zu verstehen und wiederzufinden. Diese Suche mündet Ende der 40er Jahre in die Bekanntschaft mit der Lehre G.I. Gurdjieffs.

Zu dieser Zeit lernt er Henri Tracol, einen Schüler von Herrn Gurdjieff und Madame de Salzmann, kennen, dem er sehr nahestehen wird. Er bleibt treu an seiner Seite bis zu dessen Tod im Jahr 1997 und leitet mehrere Gruppen von Suchern in Paris, in Gordes sowie in Deutschland und Ungarn.

Er stirbt am 27. März 2014 in Paris.

Man konnte spüren, dass Michel Peterfalvi eins war mit dem Wort, das er sprach; es war der Ausdruck eines sehr feinen Denkens. Aber das Wertvollste war, dass er immer wieder und beharrlich darauf hinwies, der Quelle zuzuhören, aus der das Wort kam, und seinen verborgenen Sinn zu entdecken. Man befand sich dann im Herzen seines Lehrens.

(Quelle: Chaque jour comme une vie, Paroles de Michel Peterfalvi. Approche de L‘ enseignemnet de G.I.Gurdjieff, Éditions Eolienne 2023)

michel conge

Michel Conge

Michel Conge wurde 1912 in Pau, im Südwesten Frankreichs geboren. Schon in seiner frühen Jugend begab er sich auf die Suche nach Wahrheit, indem er „das Wirkliche hinter den Erscheinungen“ suchte, wie er es ausdrückte. Er verfolgte dieses Ziel zunächst, indem er sich der Medizin zuwandte. Als er am Institut Pasteur in Paris arbeitete, machte er die Bekanntschaft des Schriftstellers René Daumal, durch den er Jeanne de Salzmann kennen lernte. Sie lud ihn ein, mit G.I. Gurdjieff zu arbeiten. Michel Conge und seine Frau versammelten 1949 um sich eine Gruppe von Leuten, die er in ihrer spirituellen Suche begleitete, wozu ihn G.I. Gurdjieff und Mme de Salzmann ermutigt hatten. Bis zu seinem Tod im Jahr 1984 leitete er Gruppen in Paris.

Ein exemplarischer Text von Dr. Conge ist sein Essay „Facing Mr. Gurdjieff“, ein Bericht von seinen Treffen und seiner Arbeit mit Georges Ivanovitch Gurdjieff, wo er seine Eindrücke vom Meister und den inneren Schocks, die dieser hervorrief, mitteilt. Diese Schocks enthüllten die Wahrheit über den inneren Zustand des Schülers auf eine solche Weise, dass ihm Raum blieb, selbst die Realität seines Seins zu erfahren.

Charles Stanley Nott

Charles Stanley Nott (1887 – 1978)

Charles Stanley Nott, am 9. Januar 1887 in Luton, England geboren, wuchs in einem Dorf in Hertfordshire auf.
Der einfache Glaube seiner Familie war die Wurzel für seine eigene Sinn-Suche und brachte ihn zur Arbeit, wie er in seinem Buch Teachings of Gurdjieff schrieb.

Früh schon fiel ihm das merkwürdige und sogar absurde Verhalten der Erwachsenen auf, z.B. wie sie in der Öffentlichkeit miteinander umgingen und was sie hinterher übereinander sagten. Mit 18 bereiste er die Welt, nahm jede körperliche Arbeit an, die sich ihm bot, u.a. bei Schafzüchtern oder Farmern in Neuseeland, Australien, Kanada.
Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete er sich zum Militärdienst. Verwundet und durch die Kriegserfahrungen zutiefst desillusioniert nahm er nach dem Krieg das Reisen wieder auf. Schließlich arbeitete er in Wien als Vertreter für Hüte und setzte diese Tätigkeit in London fort. Obwohl es ihm gesundheitlich bereits besser ging, litt er immer noch unter den Folgen des Schützengraben-Fiebers und der Kriegserlebnisse.
Er fühlte sich innerlich leer, als er im Oktober 1923 nach New York ging, wo er einen Job in der Buchhandlung Sunwise Turn annahm. Im darauf folgenden Januar sprach A.R. Orage in dieser Buchhandlung über G. I. Gurdjieff und sein Institut für die Harmonische Entwicklung des Menschen. Nott war tief beeindruckt und nahm in der Folgezeit an den Vorführungen der Heiligen Tänze und Movements teil und blieb bis an sein Lebensende Gurdjieffs Schüler.

Nott besuchte die Prieuré, wo Gurdjieff sein Institut für die Harmonische Entwicklung des Menschen eröffnet hatte, und blieb fast das ganze Jahr 1924 dort. Es war der Sommer, in dem Georges Ivanovitch Gurdjieff schwer verunglückte. Später, als er über den Schock durch G.I. Gurdjieffs Unfall schrieb, erzählte er: „Gurdjieff selbst legte dar, dass man, wenn man auf diesem Planet lebt, den physischen Gesetzen des Unfalls unterworfen ist, deren Ursachen weit in der Vergangenheit liegen können. Das ganze Leben ist eine Serie unerwarteter Ereignisse, dessen sich einfache Menschen, Bauern und Gärtner zum Beispiel, durchaus bewusst sind. Aus diesem Grund entwickeln sich in unserem Leben die Dinge selten wie erwartet (oder wie sie es logischer Weise sollten) außer durch Zufall.“ (übersetzt aus: C. S. Nott, Teachings of Gurdjieff)
In den nächsten drei Jahren verbrachte Nott die Winter in New York, wo er Orages Zusammenkünfte und Bewegungsklassen besuchte, bevor er im Sommer zur Prieuré zurückkehrte. Dort lernte er dann seine künftige Ehefrau, Rosemary Lillard, kennen, die in den ersten beiden Jahren der Prieuré die Sommermonate dort verbrachte und Klavier für die Bewegungsklassen spielte. 1927 heirateten C.S. Nott und Rosemary und in den folgenden Jahren lebten sie in New York, verbrachten aber die Sommermonate immer in der Prieuré.

Zu der Zeit, als sie die Ouspenskys in London besuchten, fragte Mme Ouspensky, was Nott von Georges Ivanovitch Gurdjieff erhalten habe. „Herr Gurdjieff sagt mir Dinge über mich“, sagte er, „die mich geradewegs in meinen Gefühlen, in meinem Wesen treffen, so dass ich sie nicht vergessen kann. Und nach und nach bewirkt dies, dass sich etwas in mir ändert und mir ein größeres Verständnis meiner selbst und anderer Menschen gibt, gleichzeitig geht damit einher, dass ich realisiere, wie wenig ich tatsächlich verstehe. Herr Ouspensky appelliert an meinen Verstand, aber das verändert nichts in mir. .. . Bei einem Mittagessen mit Herrn Gurdjieff bekomme ich mehr innere Arbeit als von einem Jahr in Ouspenskys Gruppen.“ (übersetzt aus: C. S. Nott, Teachings of Gurdjieff)
Bald nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er den Kontakt zu G.I. Gurdjieff in Paris wieder auf, der noch immer in seiner Wohnung in der Rue des Colonels Renard lebte und mit neuen französischen Schülern arbeitete, die Mme de Salzmann zu ihm gebracht hatte. G.I. Gurdjieff begrüßte ihn warmherzig und Nott war tief getroffen von der „tiefen Barmherzigkeit und Traurigkeit“ in seinen Augen. Er sah, wie viel er vollendet hatte, indem er den Krieg und die Besatzungszeit genutzt hatte, um mit diesen jungen Franzosen etwas Neues und Nützliches zu schaffen, die mit der Zeit der ursprüngliche Kern der Arbeit wurden. Zu der Zeit war Nott eingeschränkt durch seinen sich verschlechternden Gesundheitszustand, besonders dadurch, dass sein Hörvermögen stark nachließ. Aber ungeachtet dieser Probleme blieb er der Gurdjieff Arbeit aktiv verbunden und begann mit der Aufzeichnung seiner Schriften.

Er schrieb drei Bücher, wovon zwei für die Literatur über die Gurdjieff Arbeit sehr wichtig wurden. Er übersetzte einen Klassiker der Sufi Literatur „The Conference of the Birds“ (Die Konferenz der Vögel) von Farid ud-Din Attar, der 1954 erschien und in den 1970er Jahren neu aufgelegt wurde. Am bekanntesten wurde er durch die beiden Tagebücher, die sein Leben in der Arbeit dokumentieren: Teachings of Gurdjieff: A Pupil’s Journal, das Orages Kommentar zur Ersten Serie enthält, und Journey through this world: The Second Journal of a Pupil. Sie wurden 1961 bzw. 1969 veröffentlicht, stellen eine wertvolle Erinnerung an Georges IvanovitchGurdjieffs Wirken in der westlichen Welt dar und leisten einen großen Beitrag zur Geschichte und zum Verständnis seiner Lehre.

C.S. Nott starb am 23. Januar 1978.

Alfred Richard Orage

Alfred Richard Orage (1873 – 1934)

Alfred Richard Orage wurde am 22. Januar 1873 in Dacre, Yorkshire, geboren und verstarb im Alter von 61 Jahren am 6. November 1934 in London. George Bernard Shaw sagte von ihm, dass er der brillanteste Verleger sei, den England in den letzten 100 Jahren hervorgebracht habe. T.S. Eliot meinte, dass er der feinste kritische Geist seiner Zeit sei. Orage war Lehrer in Leeds. Er war überaus vielseitig interessiert, u.a. an den Sokratikern, der Theosophie und engagierte sich politisch bei der unabhängigen Labour Party. Mit seinem Freund Holbrook Jackson, der ihn bei Nietzsche einführte, gründete er den Leeds Art Club, der im Vorkriegs-England eine herausragende Vorreiterstellung im kulturellen Leben innehatte.

1907 siedelte er nach London um, wo er die Zeitschrift The New Age 17 Jahre lang herausgab. Diese Zeitschrift wurde eine viel gehörte Stimme der sozialistischen Politik und des kulturellen Zeitgeistes. Als er sich für die Psychoanalyse zu interessieren begann, gründete er eine Studiengruppe, u.a. mit Maurice Nicoll, einem von C.G. Jungs wichtigsten Schülern.

1920 kam P. D. Ouspensky nach England und hielt eine Reihe von Vorlesungen unter dem Titel „Fragmente einer unbekannten Lehre“, denen Orage beiwohnte. So wurde er mit G.I. Gurdjieffs Lehre vertraut. Als er Georges Ivanovitch Gurdjieff selbst ihn London sprechen hörte, meinte Orage: „Ich wusste, dass Gurdjieff der Lehrer ist. Ouspensky, das war für mich Wissen, großes Wissen, Gurdjieff hingegen ist Verstehen plus Wissen.“ Als G.I. Gurdjieff 1922 in Frankreich sein Institut für die Harmonische Entwicklung des Menschen errichtete, verkaufte Orage The New Age und ging ebenfalls nach Frankreich, um bei G.I. Gurdjieff selbst zu studieren. Er soll darüber gesagt haben: „Ich gehe Gott suchen“.

Im Dezember 1923 schickte G.I. Gurdjieff Orage nach Amerika, um dort Gelder zu beschaffen und die Lehre einzuführen. Er trug ihm auf, in Amerika zu bleiben, Arbeitsgruppen zu organisieren und zu leiten. Orage und G.I. Gurdjieff arbeiteten zusammen an der Übersetzung der ersten Fassung von All und Alles vom Russischen ins Englische und an der Übersetzung der Begegnungen mit bemerkenswerten Menschen. Seine Lehr- und Übersetzer-Tätigkeit dauerte sieben Jahre. Jessie Richards Dwight, die Mitbesitzerin der Buchhandlung Sunwise Turn in New York, wo Orage seine erste Lesung gehalten hatte, wurde 1927 seine Frau.

1932 kehrte Orage nach England zurück und gründete die Zeitschrift The New English Weekly, woran er ungeachtet seiner sich verschlimmernden Herzprobleme arbeitete. Orage war stark in politische Fragen und den Social Credit Plan involviert. Im Januar 1934 stellte Senator Bronson Cutting dem US-Senat Orages Social Credit Plan vor als eines von Roosevelts Instrumenten der Wirtschaftspolitik; diese Nachrichten erschienen in der Februar-Ausgabe von The New English Weekly.

Das letzte Mal sprach Orage am 5. November 1934 im Rundfunk über „Poverty in Plenty“, diese Rede beendete er trotz starker Herzschmerzen. Er verließ die Rundfunkanstalt, verbrachte den Abend mit seiner Frau und Freunden und wollte am nächsten Tag den Arzt aufsuchen. Zu Hause angekommen, ging er zu Bett und starb im Schlaf. Als Georges Ivanovitch Gurdjieff von seinem Tod erfuhr, sagte er: „Dieser Mann …. mein Bruder“.

Folgende Aussage, die Orage zugeschrieben wird, kann gut den Einfluss von G.I. Gurdjieffs Lehre aufzeigen:
„Die Wahrheit über die Liebe wird deutlich durch die Reihenfolge, in der die Religionen in die Welt kamen. Zuerst kam die Religion der Kraft, dann die Religion des Wissens, als letztes kam die Religion der Liebe. Warum diese Reihenfolge? Weil Liebe ohne die vorausgehenden Qualitäten gefährlich ist.“
„Wenn wir andere beobachten, ist dies gefärbt von unserer Unfähigkeit, uns selbst unparteiisch zu beobachten. Wir können niemals unparteiisch in Bezug auf irgendetwas sein, solange wir nicht unparteiisch in Bezug auf unseren eigenen Organismus sind“.

Julia Ostrowska

Julia Osipovna Ostrowska (1890? – 1926)

Julia Osipovna Ostrowska war die Ehefrau von G. I. Gurdjieff und spielte eine bedeutende Rolle in seiner Arbeit.

Julia Osipovna Ostrowska wurde ca. 1890 in Polen geboren. Sie heiratete Georges Ivanovitch Gurdjieff 1922. Er sagte von ihr, sie sei eine „’alte Seele’, die schon viele Leben gelebt hat.“ Von ihrer persönlichen Geschichte ist wenig bekannt. Sie war voller Hingabe, Ausgeglichenheit und von großer Autorität. In Gurdjieffs Ballet „Der Kampf der Magier“ war sie die Haupttänzerin. Außer ihrer Hauptrolle als Priesterin in den Heiligen Tänzen kümmerte sie sich in der Prieuré um Küche und Hauswirtschaft.

Als G.I. Gurdjieff 1924 bei einem Autounfall schwer verletzt wurde, kümmerten sie und seine Mutter sich hingebungsvoll um ihn. Nachdem er genesen war, stellte man bei Mme Ostrowska Krebs im Endstadium fest. Trotz Bestrahlungen verschlimmerte sich ihr Zustand zusehends. Georges Ivanovitch Gurdjieff unternahm unermüdlich große Anstrengungen, sie am Leben zu erhalten. Darüber erzählte er dem jungen Fritz Peters:
„Wäre sie allein, wäre sie schon lange tot. Ich halte sie am Leben mit meiner Kraft; das ist sehr schwierig. Aber genauso bedeutsam ist dieser äußerst wichtige Moment in ihrem Leben. Sie hat schon mehrere Leben gelebt, ist eine sehr alte Seele; sie hat jetzt die Möglichkeit, zu einer anderen Welt aufzusteigen. Aber die Krankheit ist gekommen und macht es ihr unmöglich, dies allein zu tun. Wenn ich sie einige Monate länger am Leben erhalten kann, dann muss sie nicht wieder zurückkommen und dieses Leben noch einmal leben“.
Mme Ostrowska starb im Juni 1926 und wurde in Avon, Frankreich, begraben unter dem großen Grabstein gegenüber dem Grab von Gurdjieffs Mutter.

Fritz Peters gibt eine ausführliche Beschreibung von Mme Ostrowska in seinem Buch Kindheit mit Gurdjieff: „Sie war eine große, schöne Frau und schien ständig präsent zu sein; sie bewegte sich fast lautlos in den Korridoren der Gebäude, überwachte die Arbeiten in der Küche, Wäscherei und die sonstigen Hausarbeiten. Ich wusste nie genau, wie viel oder welche Autorität sie hatte. Bei den wenigen Gelegenheiten, wo sie tatsächlich etwas zu uns sagte – was selten geschah –, stand es für uns außer Frage, dass ihr Wort Gesetz war. Ich erinnere mich, dass ich besonders fasziniert war von ihrer Art, sich zu bewegen. Sie ging ohne wahrnehmbare Kopfbewegung und ohne die geringste Erschütterung. Sie war niemals in Eile, aber gleichzeitig arbeitete sie mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. Jede ihrer Bewegungen, ganz gleich, was sie machte, war absolut notwendig für die besondere Tätigkeit, die sie gerade ausführte.“

Katherine Mansfield war ebenfalls sehr angetan von ihr. Sie sagte, als sie sie als Priesterin bei einer Aufführung sah: „Wenn ich nur einen ganz kleinen Platz in dieser Gruppe hätte, wenn ich Mrs. Ostrowska mit über der Brust gekreuzten Armen gegenübersitzen könnte und die wundervolle Musik hörte, würde ich Mrs. Ostrowskas wundersame Arme im Gebet erhoben fühlen. Wie dankbar wäre ich dafür.“

Mme Ouspensky

Sophia Grigorjewna Ouspensky (1878 – 1961)

Sophia Grigorjewna Wolochine wurde in Kharkov in der Ukraine geboren. 1916/17 stellte P. D. Ouspensky sie Georges Ivanovitch Gurdjieff vor. Bekannt als Mme Ouspensky war sie ein frühes Mitglied der St. Petersburger Gruppe und blieb lebenslang eine loyale Schülerin. Sie war eine der sechs Schüler, die G.I. Gurdjieff im Institut für die Harmonische Entwicklung des Menschen in der Prieuré zu Assistenten bestimmte. Später schickte er sie zur Unterstützung Ouspenskys nach England, wo sie ihre eigenen Schüler hatte. 1941 begab sie sich nach Amerika, dort lehrte sie – trotz großer gesundheitlicher Probleme – auf der Franklin Farm in Mendham, New Jersey bis zu ihrem Tod am 30. Dezember 1961.

Im Februar 1918 ging G.I. Gurdjieff nach Essentuky und Mme Ouspensky und 40 weitere Schüler folgten ihm. Im darauf folgenden Jahr, als G.I. Gurdjieff nach Tiflis, Georgien aufbrach, blieb sie mit ihrer Tochter und P. D. Ouspensky in Essentuky. Später, im Februar 1920, begaben sie sich nach Konstantinopel. Als Georges Ivanovitch Gurdjieff und seine Schüler dorthin kamen, machte sie ihre Loyalität sehr deutlich: „Ich behaupte nicht, dass ich Georges Ivanovitch verstehe. Für mich ist er ein Unbekannter. Alles, was ich weiß, ist, dass er mein Lehrer ist und dass es mir weder zusteht, ihn zu beurteilen, noch für mich nötig ist, ihn zu verstehen. Niemand kennt den wahren Georges Ivanovitch, denn er verbirgt sich vor uns allen. Der Versuch, ihn zu erkennen, ist nutzlos, und ich lehne jegliche Diskussion über ihn ab.“

1931 begab sie sich nach England und lehrte in Lyne Place in Surrey „Dies war Mme Ouspenskys Beitrag zu der Gurdjieff Arbeit in England. Nach und nach nahm sie die Zügel in die Hand und gestaltete die Arbeit so, wie Gurdjieff sie in Fontainebleau geschaffen hatte.“ (übersetzt aus James Webb, The Harmonious Circle)

1941 errichteten die Ouspenskys eine Schule für die innere Arbeit auf der Franklin Farm in Mendham, New Jersey. P. D. Ouspensky verbrachte viel Zeit in New York bei Vorlesungen und beim Schreiben, während Mme Ouspensky die Gemeinschaft in Mendham führte. Ende 1942 war sie gesundheitlich so beeinträchtigt, dass sie die meiste Zeit im Bett verbringen musste. Trotzdem leitete sie immer noch die Aktivitäten und lehrte ihre Schüler die wichtigsten Prinzipien der praktischen Arbeit. Im Unterschied zu ihrem Mann legte Mme Ouspensky sehr viel Wert auf die Movements und achtete darauf, dass sie sowohl auf der Franklin Farm als auch in Lyne Place unterrichtet wurden.

Als P. D. Ouspensky 1947 starb, gab Mme Ouspensky nicht nur dessen Schülern (es waren allein in London über Tausend), sondern auch ihren eigenen den Rat, nach Paris zu Georges Ivanovitch Gurdjieff zu gehen. Unter ihnen waren z.B. Lord John Pentland und Christopher Fremantle. Wegen des Krieges und wegen Ouspenskys Verbot, über Gurdjieff zu sprechen, war vielen nicht einmal klar, dass er noch am Leben war, oder sie hatten befürchtet, er sei krank oder senil geworden.

Als Georges Ivanovitch Gurdjieff im Winter 1948/49 nach New York kam, besuchte er Mme Ouspensky auf der Franklin Farm. Später schickte sie G.I. Gurdjieff ein Kapitel von P. D. Ouspenskys Manuskript Fragmente einer unbekannten Lehre und fragte, ob es veröffentlicht werden sollte. Als er es las, sagte G.I. Gurdjieff: „Es ist sehr genau, ein gutes Gedächtnis, so war es.“ Er beauftragte sie es zu veröffentlichen, allerdings sollte sie damit warten, bis sein eigenes Buch Beelezebubs Erzählungen für seinen Enkel erschienen sei. Sie veröffentlichte die Fragmente in Amerika unter dem Titel Auf der Suche nach dem Wunderbaren. J. G. Bennett sagte von Mme Ouspensky: „Von all den bemerkenswerten Menschen, die ich in meinem Leben getroffen habe, sticht Mme Ouspensky schon allein durch ihre Zielstrebigkeit und das unbeirrbare Verfolgen ihres Ziels hervor... Sie würde nie etwas tun, was über ihr eigenes Verständnis oder ihre Kräfte hinausgeht“. Sie sagte von sich: „Madame ist kein Lehrer, sie betrachtet sich allzeit als Kindergärtnerin, die Kinder für die Schule vorbereitet.“

Kenneth Walker sagte über sie: „Madame Ouspensky, die nach 1924 immer wichtiger für die Arbeit ihres Mannes wurde, besaß die spezielle Begabung, unter die Oberfläche zu schauen und uns zu zeigen, was sie dort entdeckt hatte. Manchmal verglich sie unsere Persönlichkeiten mit großen heißluftgefüllten Gebäckstücken, die wir betulich mit uns herumtragen in der Hoffnung, dass sie gebührend bewundert werden. Dieser Vergleich war besonders treffend, denn die Kruste unserer Gebäckstücke ist so dünn, dass sie bei der leisesten Berührung in sich zusammenfällt. Darin zeigt sich, wie leer wir innen sind.“ (übersetzt aus Kenneth Walker: A Study of Gurdjieff’s Teaching)

Robert de Ropp erinnert sich an Gespräche mit Mme Ouspensky, wo sie sagte: „Alle Arbeit basiert auf Wachsamkeit. Der Mensch, der arbeitet, realisiert, dass er eine Maschine ist und Angst vor seiner Maschine hat. Deshalb ist er wachsam. Studieren Sie sich als eine Maschine, in der die unterschiedlichsten Prozesse stattfinden.“
„Für Bewusstsein ist eine gesammelte Aufmerksamkeit notwendig. Aufmerksamkeit ist wie Öl in der Lampe. Bewusstsein ist das Licht. Wo Bewusstsein ist, sind die Dinge beleuchtet.“

Frank Pinder

Frank Pinder (1882 – 1962)

Francis William Stanley Pinder wurde 1882 geboren. Von seiner Kindheit und frühen Jugend ist wenig bekannt. Er diente als Major beim britischen Geheimdienst. 1919, als er in Ekaterinodar war, wurde er von A.R. Orage brieflich dazu aufgefordert, den damals mittellosen P.D. Ouspensky einzustellen, damit dieser Pressespiegel erstellte. Im gleichen Jahr traf Pinder Georges Ivanovitch Gurdjieff im Kaukasus und wurde sein Schüler. Er ging mit ihm nach Tiflis und Konstantinopel. Als Georges Ivanovitch Gurdjieff im August 1921 nach Europa übersiedelte, nahm er Pinder als Übersetzer mit.

Als im Oktober 1922 Katherine Mansfield ihr Interesse an G. I. Gurdjieffs Lehre zum Ausdruck brachte, sandte G.I. Gurdjieff Pinder, der sie befragen und anschließend als Übersetzer dienen sollte. Mansfield beschrieb Pinder als „einen ziemlich bemerkenswerten Mann…, in etwa so wie ein Erster Offizier auf einem Frachtschiff.“

Als G.I. Gurdjieff am 4. Januar 1924 mit einem Großteil seiner Schüler in die USA fuhr, um öffentliche Vorführungen zu geben, betraute er Pinder mit der Leitung der Prieuré.

Obwohl Pinder nie ein Buch über die Arbeit verfasste und auch nicht als Lehrer tätig war, wurde über ihn gesagt, dass er ein tiefes Verständnis der inneren Bedeutung der Arbeit habe. Über G.I. Gurdjieff und seine Mission sagte Pinder:
„Gurdjieff kam, um ein Do anzuschlagen, um zu helfen, damit das Gesetz der Sieben sich gegen den Strom des mechanischen Lebens weiterentwickelt. Gurdjieff kam, um uns eine Neue Welt zu geben, ein neues Verständnis von Gott, vom Sinn des Lebens, von Sex, vom Krieg. Aber wer sind „wir“? „Wir“ sind diejenigen, die ihn und seine Lehre annehmen und mithelfen, seine Arbeit weiterzuführen. Diese unsere Welt kann nicht in unserem Zeitmaß gerettet werden. Wäre es möglich, wäre die Welt längst durch Propheten und von oben gesandte Lehrer gerettet worden. Wer Ausschau nach einem Lehrer hält, der die Welt in einer gegebenen Zeitspanne retten könnte, entzieht sich der eigenen Verantwortung. Er wartet und hofft auf eine weitere Herabkunft, um keine eigene Anstrengung unternehmen zu müssen – und gibt sich der Krankheit ‚morgen’ hin.“

Alexandre de Salzmann

Alexandre Gustav de Salzmann (1874 – 1934)

Alexandre de Salzmann wurde am 25. Januar 1874 in Tiflis, Georgien geboren. Zunächst studierte er in Moskau, ging dann nach München und schloss sich dort der Künstlergruppe Phalanx an; unter seinen Freunden waren Wassily Kandinsky und Rainer Maria Rilke. Er gestaltete Illustrationen für die Zeitschriften „Jugend“ und „Simplicissimus“. De Salzmann war ein bedeutender Maler, anerkannter Regisseur und erfand ein neues Beleuchtungssystem für die Aufführungen in Hellerau bei Dresden.

1912 heiratete er Jeanne Allemand, die bei Emile-Jaques Dalcroze’ Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus (heute: Festspielhaus Hellerau) Tanz studierte. In dieser Zeit traf sich in Hellerau die künstlerische und pädagogische Avantgarde Europas. Zwei Jahre später brachte de Salzmann die deutsche Ersttaufführung von Pauls Claudels Stück „Mariä Verkündigung“ (L’Annonce faite à Marie) heraus.

Aufgrund der russischen Revolution begaben sich Alexandre und Jeanne de Salzmann nach Tiflis, wo er Thomas de Hartmann traf, den er bereits aus München kannte. Als de Hartmann erfuhr, dass de Salzmann an der Oper Tiflis Bühnenbild und Licht für Carmen und Rigoletto gestaltete, machte er ihn mit Georges Ivanovitch Gurdjieff bekannt, der sich seit Januar 1919 mit seinen Schülern in Tiflis aufhielt.
Alexandre und Jeanne de Salzmann wurden Gurdjieffs Schüler. Im Herbst errichtete G.I. Gurdjieff mit der Hilfe von de Hartmann, de Salzmann und Dr. Stjoernval sein Institut in Tiflis, und die Proben zu Gurdjieffs Ballett „Der Kampf der Magier“ begannen.
1920 begaben sich Alexandre und Jeanne de Salzmann zusammen mit der Gruppe von G.I. Gurdjieff nach Konstantinopel, reisten im August 1921 nach Deutschland und schließlich im Oktober 1922 nach Avon, Frankreich, wo Gurdjieff in der Prieuré sein Institut für die Harmonische Entwicklung des Menschen eröffnete.

Im Institut sagte G.I. Gurdjieff, er könne an einer Hand diejenigen abzählen, die eine wirkliche praktische Ader hätten. De Salzmann war einer davon. Er erhielt von G.I. Gurdjieff die Aufgabe, die Stallgalerie für die Schriftstellerin Katherine Mansfield zu gestalten, die später an Tuberkulose starb.
Gurdjieff war der Überzeugung, dass de Salzmann der größte lebende Maler im Sinne der objektiven Kunst war.

1924, nach Gurdjieffs nahezu tödlichem Autounfall, fertigte de Salzmann Wandgemälde auf dem Montmartre an, um das Institut damit finanziell zu unterstützen.

Später traf er den Avantgarde-Schriftsteller René Daumal und führte ihn in Gurdjieffs Lehre vom Vierten Weg ein. René Daumal sah in ihm einen Derwisch, Benediktiner, Jiu-Jitsu-Lehrer, Heiler und Bühnenbildner aus früheren Zeiten.
Das letzte literarische Werk von René Daumal war „Der Berg Analog“ und eine der Hauptfiguren, Vater Sogol, ist nach Alexandre de Salzmann gestaltet. Deswegen sagte de Salzmann unter anderem: „Ich bin ins Kloster eingetreten unter dem Namen Bruder Petrus und kam heraus mit dem Titel Vater Sogol.“

Alexandre de Salzmann starb am 3. März 1934 in Leysin, Schweiz, an Tuberkulose.
Nach Alexandre de Salzmanns Tod übernahm Jeanne de Salzmann die Gruppen ihres Mannes, bis sie diese 1939 zu Georges Ivanovitch Gurdjieff führte.

Leonid Stjoernval

Leonid Stjoernval (auch Stjernvall, de Stjernvall) (1872—1938)

Leonid Stjoernval, Sohn von Gustav A. Robert Stjoernval und seiner zweiten Frau Anna Oldecopp, wurde am 26. April 1872 in Moskau geboren. Er heiratete Elisabeth Grigoriewna Feodoshew am 3. September 1905 in Luga, Russland. Als bekannter Arzt und Psychologe leitete Stjoernval ein Elektromassage-Institut bzw. ein Elektro-Wasserkur-Sanatorium.

1915 begegnete er Georges Ivanovitch Gurdjieff und wurde einer der sechs Schüler, die ihn täglich in Phillipoffs Café trafen. Stjoernval und ein weiterer Schüler saßen mit Georges Ivanovitch Gurdjieff im Café, als Thomas de Hartmann das erste Mal seinem zukünftigen Lehrer begegnete.

Dr. Stjoernval und seine Frau waren wichtige Mitglieder der Schülergruppe, die von G.I. Gurdjieff durch die Fronten zwischen Roter und Weißer Armee über den Kaukasus nach Tiflis geführt wurde. Oft war es Stjoernval, der mit den Autoritäten verhandelte, um der Gruppe die Weiterreise zu ermöglichen. De Hartmann schrieb: „Bei meiner Rückkehr erfuhr ich, dass G.I. Grudjieff wie üblich den Doktor geschickt hatte, um weißrussische Pässe für uns zu besorgen“, und weiter: „wenn Dr. Stjoernval mit unseren Dokumenten zu den Verantwortlichen ging, wurden wir ohne jede Schwierigkeit durchgelassen“. Später verhandelte er mit höheren Regierungsbeamten in Tiflis über ein Gebäude, wo Gurdjieffs Institut für die Harmonische Entwicklung des Menschen errichtet werden könnte, denn Stjoernval war äußert geschickt in Verhandlungssachen.

Im Herbst 1920 eröffnete Georges Ivanovitch Gurdjieff einen Ableger seines Instituts in Konstantinopel. Dr. Stjoernval wurde damit beauftragt, medizinische Gymnastik zu unterrichten. In einem schwedischen Adelsalmanach über die Nachfahren des finnischen Fürstenhauses ist er als Leiter eines Instituts für Rhythmische Gymnastik in Fontainebleau, Frankreich aufgeführt.

Als das Institut von Konstantinopel nach Deutschland umzog, gingen Stjoernval und seine Frau nach Finnland, um ihren Besitz zu verkaufen, und kamen mit einer beachtlichen Summe zurück, die sie der Gurdjieff-Arbeit zur Verfügung stellten. 1924 wurde Stjoernval zusammen mit A.R. Orage nach New York vorausgeschickt, um die anstehende Reise von G.I. Gurdjieff und seinen übrigen Schüler logistisch und finanziell vorzubereiten.

Nach G.I. Gurdjieffs Autounfall versorgte Dr. Stjoernval ihn im Krankenhaus und auch danach in der Prieuré. Es wird berichtet, dass er oft mit G.I. Gurdjieff zusammen war und sogar bei den Gruppentreffen Fragen beantwortete. Stjoernval und seine Familie gehörten zu Georges Ivanovitch Gurdjieffs ergebensten Schülern und blieben nach der Auflösung des Instituts in der Prieuré. Später zogen sie in die Normandie, wo er und seine Frau den Rest ihres Lebens verbrachten. Dr. Stjoernval starb am 2. April 1938 in Sotteville, Normandie.

Tcheslav Tchekhovitch

Kurz vor seinem Tod 1958 erkannte Tchekhovitch, wie wertvoll seine persönlichen Erinnerungen und Zeugnisse aus erster Hand über sein Leben an Gurdjieffs Seite sind. Er fühlte das dringende Bedürfnis, diese einzigartige Erfahrung zu dokumentieren, damit sie für die kommende Generation nicht verloren ginge. Aus seinen zahlreichen Notizen und Bruchstücken verfasste er das Buch: „Gurdjieff, a Master in Life“

Dort erinnert er sich an die Anfänge:
„Im Januar 1920 war ich Teil des polnischen Kontingents der Zarenarmee, die sich nach Süden zurückzog. Als wir das Schwarze Meer erreichten, gingen wir an Bord des nächst besten Schiffes. Wir machten einen kurzen Zwischenhalt in Bulgarien und fuhren dann weiter nach Konstantinopel, das für die nächsten eineinhalb Jahre meine Heimat werden sollte.

Ich war extrem erleichtert, so weit weg von den Grausamkeiten des Bürgerkriegs zu sein. Offen gesagt war ich gegen meine Überzeugung in diese Auseinandersetzungen verwickelt worden, denn es war unmöglich, mitten in den Wirren neutral zu bleiben. Selbstverständlich hatte ich die feste Absicht, meine Haut zu retten, und unser Anlegen in Konstantinopel schien eine unerwartete Gelegenheit zu bieten, diesem unmenschlichen Konflikt ohne Ehrverlust zu entgehen.

In Konstantinopel schien der Krieg sehr weit weg. Trotzdem konnte ich den Albtraum, den ich gerade durchgemacht hatte, nicht aus meinem Gedächtnis löschen. Schreckliche Bilder der Barbarei und Gewalt verfolgten mich. Ich konnte in dem Krieg und den Grausamkeiten keinen Sinn erkennen. Doch inmitten der Feindseligkeiten, während kurzer Momente, in denen ich schlief oder wenn ich durch die extreme Müdigkeit eindöste, meldete sich in mir eine seltsame Intuition, dass es ein anderes Leben gibt, ein mit Sinn erfülltes Leben. Ähnliche Eindrücke hatten in meiner Jugend viele Fragen aufgeworfen.“

„Ich hatte schon einige Vorlesungen Ouspenskys besucht, bis ich Georges Ivanovitch Gurdjieff in Konstantinopel persönlich begegnete. Je öfter ich dessen Vorlesungen beiwohnte, umso mehr wuchs mein Interesse. Die Zusammenkünfte wurden so faszinierend, dass ich beschloss mich von nichts mehr ablenken zu lassen, was mich davon fernhalten könnte. Es hatte sich mir wirklich eine neue Welt eröffnet, eine Welt, die mich anzog. Ich fühlte ein Bedürfnis, ausgeglichener zu werden – sozusagen mein Haus in Ordnung zu bringen –, um die Fähigkeit zu erlangen, diesen inneren Ruf, der sich allmählich in mir bemerkbar machte, aufrichtig zu hören.“

In Konstantinopel wohnte T. Tchekhovitch in Georges Ivanovitch Gurdjieffs Haus, was ihm die unschätzbare Gelegenheit bot, die Wirkung des Meisters täglich hautnah zu erleben. Er folgte ihm durch sämtliche Odysseen bis nach Paris.

Viele Jahre später schreibt Tchekhovich:
„Ende des Sommers 49 wusste Georges Ivanovitch Gurdjieff schon lange, dass seine Tage gezählt waren, aber er ließ nicht zu, dass dies bemerkt wurde. Nichts änderte sich in seiner Routine, außer vielleicht eine gewisse Sorgfalt, seine Angelegenheiten zu ordnen.

Auf einer ganz anderen Ebene stellte er sehr spezielle Forderungen an seine französischen Schüler, als ob es sein Wunsch war, sie zu einer stetig wachsenden Verantwortung in der Führung der Arbeit der Gruppen zu rufen. Zu dieser Zeit hatten sich uns viele englische und amerikanische Schüler angeschlossen und es war klar, dass G.I. Gurdjieff wünschte, dass sie intensiver an der Arbeit teilnahmen.

In diesen letzten Tagen hörten wir Georges Ivanovitch Gurdjieff bei speziellen Anlässen sagen: ‚Der, der an sich selbst arbeitet, bereitet sich gleichzeitig auf einen würdigen Tod vor.’

G.I. Gurdjieff ermahnte uns immer: ‚Machen Sie weiter, machen Sie weiter.’ Er verließ den Raum, aber seine Anwesenheit füllte die Atmosphäre und rief uns zum Wesentlichen zurück.“

„Ich verbrachte 28 Jahre in unterschiedlichen Bedingungen in der Nähe von Georges Ivanovitch Gurdjieff und erkenne jetzt, dass mein Leben erst durch diesen Mann und seine Lehre einen Sinn erhalten hat.“

Jane Heap

Jane Heap (1883 – 1964)

Jane Heap wurde 1883 in Topeka, Kansas, als Tochter eines englischen Vaters und einer norwegischen bzw. lappländischen Mutter geboren. Sie wuchs auf dem Gelände einer Irrenanstalt auf, wo ihr Vater als Wärter arbeitete. Als junge Erwachsene besuchte sie das Art Institute of Chicago und wurde Mitglied des Maurice Browne’s Chicago Little Theatre, einer zur damaligen Zeit bahnbrechenden avantgardistischen Theatergruppe.
Sie war Verlegerin, Herausgeberin und trug zu Beginn des 20. Jahrhunderts entscheidend zur Entwicklung und Verbreitung der literarischen Moderne in den USA und Europa bei. Von 1914 bis 1929 gab sie mit Margaret C. Anderson die avantgardistische Literatur-Zeitschrift The Little Review heraus. Das Motto der Zeitschrift war: „Keine Kompromisse mit dem Publikumsgeschmack!“. Sie veröffentlichte Artikel von solch einflussreichen Schriftstellern wie James Joyce, Ezra Pound, Gertrude Stein, T.S. Eliot, Ernest Hemingway, Hart Crane und William Butler Yeats. Heap schrieb auch selbst Beiträge, die für ihre „schneidende Kritik und trockenen Kommentare“ bekannt waren. Anderson und Heap prägten weiterhin als Herausgeberinnen die Zeitschrift, obwohl sie dadurch in Anspruch genommen waren, dass Jane Heap die Neffen von Margaret Anderson, Fritz und Tom Peters, adoptiert hatte. Heap führte ein Leben zwischen New York und Paris, wo sie einen herausragenden Platz in der künstlerischen und literarischen Emigrantenszene innehatte.

Heap und Anderson lernten A.R. Orage bei ihren literarischen Zirkeln kennen, und er führte sie 1924 zur Arbeit und zu Georges Ivanovitch Gurdjieff selbst, als dieser New York besuchte. Heap war sofort von dessen Lehre der Selbst-Umwandlung angezogen, und 1925 übersiedelten sie und Anderson in G.I. Gurdjieffs Institut für die Harmonische Entwicklung des Menschen vor den Toren von Paris. Mit G.I. Gurdjieffs Erlaubnis begann sie 1927 Frauen-Gruppen in Paris zu leiten. Zwei Jahre später entschloss sie sich, die Herausgabe von The Little Review einzustellen, um sich ganz der Arbeit zu widmen. Durch Heap wurde G.I. Gurdjieff in der Emigranten-Künstler-Szene gut bekannt. 1935 beauftragte Georges Ivanovitch Gurdjieff Heap, nach London zu gehen, um dort eine neue Arbeits-Gruppe zu führen. Georges Ivanovitch Gurdjieff leitete von da an diese Gruppe, die sich „The Rope“ nannte. Er bestimmte Elizabeth Gordon zu deren Sekretärin, die anderen Mitglieder waren Kathryn Hulme, Alice Roher, Solita Solano, Louise Davidson, Margaret Anderson und Georgette Leblanc.
Heap blieb bis zum Ende ihres Lebens in London und etablierte sich dort als eine wichtige Lehrerin von Gurdjieffs Viertem Weg. Sie suchte G.I. Gurdjieff regelmäßig in Paris auf. Sie stellte ihm noch ihre Schüler vor, bevor er 1949 starb.
Als sie sah, wie angespannt sie waren, beruhigte sie sie: „Was immer passiert, was auch immer er sagen wird, ich stehe hinter euch“. Die Warnung war unnötig. Nach ihrer ersten gemeinsamen Mahlzeit sagte Georges Ivanovitch Gurdjieff: „Habt keine Angst mehr. Ihr seid hier zu Hause. Ich bin Euer neuer Vater“. Beim Lunch und beim Dinner gab es Toasts und Unterweisungen, die wie gewöhnlich indirekt und unmerklich gegeben wurden, und ganz unerwartet kam eine humorvolle Stimmung auf. Jemand erinnert sich: „Subtile Scherze, anspielungsreiche Witze, das stürmische Gelächter, das manchmal den ganzen Raum ausfüllte, all das verjagte die unerträgliche Spannung.“ Der Magier am Werk.
Jane Heap veröffentlichte nie ein Buch über den Vierten Weg, aber sie wird erwähnt in Margaret Andersons Biographien und in deren Buch The Unknowable Gurdjieff sowie in Fritz Peters Eine Kindheit mit Gurdjieff und in Kathryn Hulmes Undiscovered Country.

Jane Heap starb 1964 an den Folgen von Diabetes.
Nach ihrem Tod trugen einige ihrer Schüler eine Sammlung ihrer Aphorismen zusammen, so z.B.:
„Liebe deine Feinde – sie könnten dir die Wahrheit sagen“.
„Wirkliches Wünschen ist organisch. Wünschen ist eine Bewegung zu etwas“.
„Wachsen des Verstehens wird Hunger nach Sein“.